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Ist „dunkelhäutig“ okay?

vor 9 Stunden
3 Min. Lesezeit

Viele Menschen sagen „dunkelhäutig“, weil sie höflich sein wollen. Sie wissen, dass bestimmte Wörter für Schwarze Menschen rassistisch sind. Also suchen sie ein Wort, das harmlos klingt.

„Dunkelhäutig“ wirkt neutral. Es scheint nur zu beschreiben, was man sieht. Die Absicht dahinter ist oft gut.

Trotzdem passt das Wort nicht. Um zu verstehen, warum, braucht es zwei Begriffe: Selbstbezeichnung und Fremdbezeichnung.


Wer benennt wen?

Eine Selbstbezeichnung ist ein Name, den Menschen sich selbst geben. Sie entscheiden, wie sie genannt und verstanden werden wollen. Es geht um das Recht, die eigene Identität selbst zu deuten.

Eine Fremdbezeichnung kommt von außen. Andere legen fest, wie eine Gruppe heißt. Die Gemeinten werden dabei meist nicht gefragt.

Fremdbezeichnungen sind deshalb nicht neutral. Sie kommen oft aus gesellschaftlich dominanten Positionen und tragen deren Blick in sich. Sie beschreiben nicht nur, sie legen auch fest, wie andere gesehen werden.


„Dunkelhäutig“ beschreibt nur die anderen

„Dunkelhäutig“ ist eine Fremdbezeichnung. Meist haben andere das Wort gewählt, nicht die Menschen, die gemeint sind. Oft soll es außerdem eine fremde Herkunft andeuten, ähnlich wie die Frage „Woher kommst du wirklich?“.

Dazu kommt ein zweites Problem. „Dunkel“ gibt es nur im Vergleich. Der Maßstab ist dabei immer helle Haut.

Ein Satz wie „In der Gruppe waren auch zwei Dunkelhäutige“ zeigt das deutlich. Er beschreibt zwei Personen. Über alle anderen sagt er nichts, weil sie als normal gelten.

Auch unter weißen Menschen haben manche dunklere Haut als andere. Sie werden in der Regel trotzdem nicht „dunkelhäutig“ genannt. Gemeint sind mit dem Wort nur Schwarze Menschen und People of Color.

Es geht also nicht um die Haut. Es geht darum, wen andere als nicht weiß einordnen.


Was „Schwarz“ bedeutet

„Schwarz“ beschreibt keine Hautfarbe. Niemand hat Haut in der Farbe Schwarz. Der Begriff ist eine politische Selbstbezeichnung.

Er benennt eine gemeinsame Erfahrung: in einer weißen Dominanzgesellschaft als Schwarz markiert zu werden und Rassismus zu erleben. Zugleich steht er für Widerstand gegen rassistische Fremdbezeichnungen und für Selbstbestimmung. Damit das sichtbar wird, wird Schwarz mit großem S geschrieben.

Schwarze Menschen in Deutschland haben den Begriff selbst geprägt. Mitte der 1980er-Jahre gründeten sie die Initiative Schwarze Deutsche. 1986 erschien das Buch „Farbe bekennen“, herausgegeben von Katharina Oguntoye, May Opitz (später May Ayim) und Dagmar Schultz. Darin erzählen afrodeutsche Frauen ihre Geschichte selbst.


Und was bedeutet „weiß“?

Auch weiß ist keine Hautfarbe. Weiß beschreibt eine gesellschaftliche Position: die Position, die im Rassismus als Norm gilt und Vorteile hat. Diese Position wird selten ausgesprochen.

Weißsein heißt zum Beispiel, nicht ständig als „anders“ gesehen zu werden. Es heißt, nicht erklären zu müssen, woher man „wirklich“ kommt. Und es heißt, seltener bei der Wohnungssuche benachteiligt, seltener von der Polizei kontrolliert und seltener auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert zu werden.

Anders als Schwarz benennt weiß keine Erfahrung von Rassismus, sondern eine Position mit Vorteilen. Weiß wird meist kleingeschrieben, teilweise auch kursiv.


Eine koloniale Geschichte und eine Aufgabe für Organisationen

Menschen nach Hautfarbe einzuteilen, hat eine Geschichte. Im Kolonialismus wurden Menschen so sortiert, bewertet und entmenschlicht. Diese Logik wirkt weiter, wenn Sprache nicht reflektiert wird.

Sprache ist deshalb nicht nur eine private Entscheidung. Organisationen legen fest, welche Begriffe in Formularen, Berichten, Pressemitteilungen und Personenbeschreibungen stehen. Damit tragen sie Verantwortung.

Dass das geht, zeigt die Polizei Berlin. In ihren Empfehlungen für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch lehnt sie „dunkelhäutig“ wegen seiner kolonialistischen und diskriminierenden Bedeutung ab. Dort steht: „Auf keinen Fall: dunkelhäutig.“

Ein Leitfaden allein reicht allerdings nicht. Er braucht Verantwortliche, Schulungen und eine regelmäßige Prüfung, ob er im Alltag angewendet wird.


Was das im Alltag heißt

Im Alltag hilft eine einfache Reihenfolge. Die erste Frage lautet: Ist der Hautton überhaupt wichtig? Meistens ist er es nicht, dann kann er wegbleiben.

Ist er wichtig, ist „Schwarz“ der passende Begriff. Bezeichnet sich eine Person selbst anders, gilt ihre Bezeichnung.

Unsicherheit gehört dazu. Wer nachfragt, statt zu raten, nimmt das Gegenüber ernst. Auch Selbstbezeichnungen verändern sich mit der Zeit.

Mehr zu Selbst- und Fremdbezeichnungen und zur Awareness-Arbeit in Organisationen steht in unserem Buch „Awareness & Awareness-Arbeit“.


Quellen

Carikci, Ercan (2025): Awareness & Awareness-Arbeit. Ratgeber und Übungsbuch. Hannover: Ercan Carikci Coaching (Independently published), S. 68 f., 128 f., 562 f., 651, 734 f., 739 f.

Florvil, Tiffany N. (2023): Black Germany. Schwarz, deutsch, feministisch: die Geschichte einer Bewegung. Berlin: Ch. Links.

Ogette, Tupoka (2017): exit RACISM. rassismuskritisch denken lernen. Münster: Unrast, S. 76.

Oguntoye, Katharina / Opitz, May / Schultz, Dagmar (Hg.) (1986): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Berlin: Orlanda Frauenverlag.

Polizei Berlin, LKA Präv / Beauftragte für Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (2022): Empfehlungen für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch. Stand: 27.12.2022, S. 1, 19 f.

 
 
 

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