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Glossar

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Queer

Queer war ursprünglich ein englisches Wort für „seltsam“ oder „abartig“ und wurde ab dem späten 19. Jahrhundert zunehmend als Schimpfwort gegen homosexuelle Menschen verwendet, vor allem gegen Männer, die nicht den gängigen Vorstellungen von Männlichkeit entsprachen. Ab den 1980er Jahren begannen Aktivistinnen und Aktivisten, den Begriff politisch zurückzuerobern. Besonders in den USA entstand unter dem Motto „We’re here, we’re queer“ eine widerständige Bewegung, die sich gegen Homofeindlichkeit, Transfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung stellte. Der Begriff wurde damit zu einer bewussten Selbstbezeichnung und zu einem Ausdruck von Protest, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung.

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Heute wird queer unterschiedlich verwendet. In einem identitätsbezogenen Sinn bezeichnen sich damit Menschen, die sich nicht oder nur teilweise mit den Kategorien heterosexuell oder cisgeschlechtlich identifizieren. Gleichzeitig wird queer auch als Sammelbegriff genutzt, der verschiedene sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten umfasst, etwa lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter oder nichtbinär.

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Allerdings bedeutet das nicht, dass sich alle Menschen aus diesen Gruppen mit dem Begriff queer identifizieren. Eine lesbische Frau zum Beispiel kann sich klar als lesbisch verstehen, ohne queer als passende Selbstbeschreibung zu wählen. Manche empfinden den Begriff als zu allgemein, andere lehnen ihn ab, weil er für sie historisch belastet ist oder weil sie sich nicht mit seinem politischen Gehalt identifizieren.

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Im politischen und wissenschaftlichen Kontext steht queer auch für eine kritische Haltung, die gesellschaftliche Normen zu Geschlecht und Sexualität hinterfragt. In den Queer Studies wird der Begriff genutzt, um Machtverhältnisse zu analysieren und soziale Kategorien grundsätzlich in Frage zu stellen.

Queerfeindlichkeit

Queerfeindlichkeit bezeichnet die Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen, deren Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung nicht den gesellschaftlichen Normen von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität entspricht. Sie richtet sich gegen Personen, die sich zum Beispiel als lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter, nichtbinär oder queer verstehen.

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Der Begriff umfasst verschiedene Formen von Feindseligkeit, darunter Homofeindlichkeit, Bifeindlichkeit, Transfeindlichkeit oder Feindlichkeit gegenüber Menschen, die sich nicht eindeutig einordnen lassen. Diese Feindlichkeit kann sich in offenen Angriffen und Gewalt ausdrücken, aber auch in subtileren Formen wie abwertenden Kommentaren, Ignoranz oder Ausschluss.

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Queerfeindlichkeit wirkt nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch auf struktureller Ebene. Sie zeigt sich in Gesetzen, in institutionellen Abläufen, in der Sprache, in Bildungsinhalten oder in der Gesundheitsversorgung. Queere Menschen erleben dadurch oft Mehrfachdiskriminierungen, die ihre Lebensqualität, Sicherheit und Teilhabe beeinträchtigen.

Awareness-Arbeit setzt hier an, indem sie nicht nur einzelne Vorfälle thematisiert, sondern die dahinterliegenden Normen und Machtverhältnisse sichtbar macht und verändert.

Queer Studies

Queer Studies bezeichnen ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das sich kritisch mit Geschlecht, Sexualität und gesellschaftlichen Normvorstellungen befasst. Im Zentrum steht die Frage, wie bestimmte Vorstellungen von Geschlecht und sexueller Orientierung entstehen, wie sie aufrechterhalten werden und welche Auswirkungen sie auf das Leben von Menschen haben.

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Das Forschungsfeld hat sich seit den 1990er Jahren entwickelt und geht unter anderem aus feministischer Theorie, poststrukturalistischem Denken und der Bürgerrechtsbewegung queerer Communities hervor. Queer Studies untersuchen die Lebensrealitäten von Menschen, die sich nicht mit gesellschaftlich vorherrschenden Kategorien wie männlich, weiblich, heterosexuell oder cisgeschlechtlich identifizieren.

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Dabei geht es nicht nur um Identitäten, sondern auch um Machtverhältnisse, Sichtbarkeit, Ausschluss und Normalitätsansprüche in Gesellschaft, Politik, Medien, Recht und Bildung. Queer Studies verstehen sich häufig nicht als neutrale Wissenschaft, sondern als politisch engagierter Zugang, der bestehende Hierarchien sichtbar machen und verändern will.

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