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„Ohne Impulse von außen kann ich vor Ort nicht gestalten“

WiMaD-Interview mit Stephan Kaps


Stephan Kaps leitet seit 2022 die vhs im Landkreis Nienburg/Weser. Zuvor war er an der vhs Hannover Programmbereichsleiter für Kultur und Gestalten und dort für ein Projekt zur Einbürgerung sowie für weitere Sprachen zuständig.


Er ist Mitglied im Arbeitskreis Vielfalt des Landesverbandes Niedersächsischer Volkshochschulen und stellvertretender Sprecher des Diversity-Ausschusses des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, der derzeit in eine Diversitykommission umgewandelt wird.


Stephan hat am ersten WiMaD-Projekt teilgenommen. Im Interview spricht er über seine Arbeit in der Erwachsenenbildung, die Bedeutung externer Impulse und die besondere Verantwortung von Verwaltungen und Behörden.


1. Vorstellung

Wie würden deine Freund:innen und Kolleg:innen dich beschreiben: als Mensch und in deiner Art, mit anderen zusammenzuarbeiten?


Ich wurde einmal als „Multi-Tool“ bezeichnet und glaube, dass es mich ganz gut trifft. Da es um eine Fremdeinschätzung geht, habe ich einfach Menschen aus meinem Umfeld gefragt.

Die Rückmeldungen waren sehr vielfältig: aufmerksam, zugewandt, kreativ, engagiert, empathisch, hilfsbereit, respektvoll, kommunikativ, organisiert, zuverlässig, ehrlich und fachkompetent.


Andere beschreiben mich als guten Zuhörer, humorvoll, pragmatisch und lösungsorientiert. Offenbar erkenne ich Zusammenhänge schnell, arbeite vorausschauend und strategisch und bringe unterschiedliche Menschen miteinander in Verbindung. Jemand bezeichnete mich als „großen Netzwerkknotenpunkt“, eine andere Person als „gut gelaunten Quell an Ideen und Inspiration“.


Eine Rückmeldung lautete, ich sei vielseitig interessiert, denke global und handle lokal. Ausgenommen sei lediglich Sport – obwohl das schnelle Erkennen und Analysieren von Zusammenhängen eigentlich als Sportart anerkannt werden müsste.

Wegen meiner Schnelligkeit kann ich allerdings manchmal etwas ungeduldig wirken.


2. Motivation

Was macht dir an deiner beruflichen Tätigkeit besonders Freude?


Als Leitung bin ich dafür da, die Infrastruktur bereitzustellen, damit meine Kolleg*innen gut arbeiten können. An der Volkshochschule begeistert mich die Vielseitigkeit. Nach dem Niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz sollen sich unsere Angebote an den Bedarfen der Menschen vor Ort orientieren – und diese Bedarfe variieren.

Es ist schön, aktuelle und relevante Themen aufzugreifen und sie in konkrete Angebote für die Menschen vor Ort zu übersetzen. Diese Übersetzungsleistung findet auch zwischen Wissenschaft und Bevölkerung statt. Wie schaffen wir es, Themen so zu gestalten, dass wir möglichst alle Menschen erreichen?


Darüber hinaus macht mir die Gremienarbeit viel Freude: sowohl auf lokaler Ebene als auch im Landesverband und im Deutschen Volkshochschul-Verband, insbesondere zu Vielfaltsthemen. Seit 2025 bin ich außerdem Mitglied im redaktionellen Beirat der Fachzeitschrift „weiter bilden“.


3. Warum WiMaD?

Was hat dich damals dazu bewegt, an WiMaD teilzunehmen?


Als Landesverband hatten wir uns bereits selbst um eine Förderung beworben, durch die eine niedersächsische Volkshochschule teilnehmen konnte. Die Ergebnisse sind in die vhs-Arbeit eingeflossen und haben unter anderem zu einem Workshop über antirassistische Organisationsentwicklung bei der bundesweiten, fachbereichsübergreifenden vhs-Konferenz in Jena geführt. Das neue Format WiMaD hat mich sofort angesprochen. Die Arbeit an einer demokratischen, gerechten und diversen Gesellschaft ist eine Daueraufgabe. Die regelmäßige und strukturierte Auseinandersetzung mit diesen Themenfeldern sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Ohne Impulse von außen kann ich vor Ort nicht gestalten und keine Selbstwirksamkeit entwickeln.


4. Ein Moment, der geblieben ist

Gab es während der Qualifizierung einen Gedanken, eine Übung oder ein Gespräch, das dich nachhaltig beschäftigt oder deine Perspektive verändert hat?


Puh, ich denke viel darüber nach, wie ich Themen in der vhs-Welt zur Anwendung bringen kann. Einzelne Impulse finden sich später beispielsweise in Texten wieder, die ich manchmal nur für mich schreibe. Ob ein Perspektivwechsel das Ziel sein kann, wage ich allerdings zu bezweifeln. In der Regel kommen Menschen zu solchen Formaten, die bereits ein Grundinteresse haben und den Inhalten nicht ablehnend gegenüberstehen. Schön war es, sich in Präsenz im Pavillon zu treffen und neben neuen Menschen auch alte Bekannte zu treffen.


5. Was war wertvoll?

Welche Inhalte, Methoden oder Begegnungen haben dir im Rahmen von WiMaD am meisten gebracht?

Es war schön zu sehen, dass sich so unterschiedliche Institutionen und Organisationen auf den Weg machen. Der Austausch untereinander war für mich sehr wertvoll – immer auf Grundlage des fachlichen Inputs durch euch.

Außerdem gab es eine große Methodenvielfalt und ausreichend Zeit, die eigenen Erfahrungen einzubringen.


6. Wer sollte unbedingt teilnehmen?

Wenn du einer Branche oder Berufsgruppe WiMaD besonders empfehlen würdest: welche wäre das und warum?


Einer? Allen!


Vielleicht würde ich WiMaD besonders Verwaltungen und Behörden empfehlen. Hier ist die Gefahr struktureller Diskriminierung auch aufgrund des Machtgefälles besonders hoch.

Menschen kommen mit einem Anliegen. Gerade hier kann Verwaltung für oder gegen die Menschen arbeiten, die sich an sie wenden.


7. Lernen von deiner Organisation

Gibt es etwas, das andere Organisationen von deiner Arbeitgeberin lernen könnten?


Verwaltung mag für Außenstehende behäbig und unflexibel erscheinen. Dennoch kann man viel bewirken.


Gerade als kommunale Volkshochschule können wir in die bestehenden Strukturen hineinwirken und Impulse geben, die dankbar aufgenommen werden. Das können beispielsweise Vorschläge für Referent*innen oder für bestimmte Inhalte sein.

Außerdem finde ich es großartig, wie offen der Landkreis für Fortbildungen ist.


8. Inspiration

Welche Menschen, Bücher, Podcasts oder Projekte inspirieren dich besonders?


Der Deutsche Volkshochschul-Verband hat seit Anfang des Jahres ein aus eigenen Mitteln finanziertes Demokratieprojekt. Davon erwarte ich tolle Impulse für die Praxis vor Ort.

Besonders inspirierend finde ich Menschen, die Diskriminierungserfahrungen gemacht haben und aus einem Aktivismus in eine Professionalität gegangen sind.

Podcasts höre ich tatsächlich wenig. Dafür nutze ich täglich die App des Deutschlandfunks. Bücher kommen irgendwie auf mich zu, und ich nutze meine Zugfahrten zum Lesen.

Für „Zur guten Absicht“ vom Cameo Kollektiv in Hannover durfte ich sechs Bücher empfehlen und die Empfehlungen als Audio einsprechen. Sie sind dort vor Ort neben weiteren spannenden Büchern zu finden. Also: hin da!


9. Ein Abendessen mit der Bundesregierung

Stell dir vor, die wichtigsten politischen Entscheidungsträger:innen der Bundesregierung sitzen bei dir am Esstisch. Welche drei Veränderungen würdest du dir wünschen, um Demokratie, Diskriminierungsschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig zu stärken?


Die Vorstellung würde beinhalten, dass ich diese Menschen in mein Haus eingeladen habe. Trotzdem lasse ich mich einmal auf das Gedankenexperiment ein.

Erstens: Frauen*quoten flächendeckend einführen.

Zweitens: Schule und weiterführende Bildung neu denken und wirkliche Reformen mit anderen Inhalten angehen, anstatt ein uraltes Konstrukt zu reproduzieren.

Drittens: Mobilität im ländlichen Raum fördern, sodass wieder wirkliche Begegnungen stattfinden können.


10. Essen UND Trinken

Das Budget spielt keine Rolle: Was würdest du deinen Gästen servieren und warum genau dieses Menü?


Diese Frage ist besonders schwierig, weil ich immer versuche, auf die Bedürfnisse meiner Gäst*innen einzugehen. Dabei spielen Vorlieben und Unverträglichkeiten ebenso eine Rolle wie die Jahreszeit, meine zeitlichen Ressourcen und die passenden Getränke.

Als Aperitif könnte es einen Negroni geben, wenn man es bitter und stark mag. Ansonsten Gin Tonic oder einen Schaumwein.


Als Vorspeise gäbe es Burrata mit Salatigem und etwas Crunch. Dazu einen Rosé-Crémant oder alkoholfreien Kirschsaft mit Tonic.


Die Hauptspeise wäre geschmorte Ziege aus der Region mit Gemüse. Als vegane Alternative gäbe es Sellerie. Beides würde auf Stampf serviert. Dazu passen Weißburgunder, Malbec oder ein Rosé aus der Provence.


Zum Abschluss gäbe es ein Parfait aus weißer Schokolade mit Fruchtkompott – ergänzt durch einen Espresso Martini.


Mehr über WiMaD


Weitere Informationen zur aktuellen WiMaD-Qualifizierung und zur Bewerbung gibt es unter:



Stephan Kaps, Foto: © Landkreis Nienburg/Weser

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